Augenprothesen für Kinder bei angeborenem Anophthalmus
Unterschiedliche Gründe können dazu führen, dass schon kleine Kinder eine Augenprothese benötigen. Eine mögliche Ursache ist der sogenannte angeborene Anophthalmus. Eltern, deren Kind mit dieser Diagnose geboren wird, stehen vor besonderen Herausforderungen. In diesem Artikel erklären wir, was ein angeborener Anophthalmus ist und welche Ursachen dahinterstecken können. Und wir beschreiben, wie die ocularistische Behandlung dabei helfen kann, die unterentwickelte Augenhöhle zu vergrößern und Stück für Stück die Gesichtssymmetrie zu verbessern.
Links sehen Sie die Entwicklung eines Kindes vom Säuglingsalter bis zum Alter von 12 Jahren. Dabei ist eine kontinuierliche Verbesserung der Augen- und Liedsituation des Mädchens zu erkennen.
Der angeborene oder auch kongenitale Anophthalmus bezeichnet das vollständige Fehlen (mindestens) eines Augapfels bereits bei der Geburt. Diese Fehlbildung kann einseitig oder beidseitig auftreten. Dadurch, dass der Augapfel fehlt, sind beim angeborenen Anophthalmus auch die umgebenden Strukturen wie Augenhöhle und Lidgewebe deutlich unterentwickelt.
Der angeborene Anophthalmus ist eine sehr seltene Entwicklungsstörung, die ihren Ursprung im frühen Stadium der Schwangerschaft hat, nämlich bereits zwischen der 4. und 7. Schwangerschaftswoche. Zu dieser Zeit beginnt die Entwicklung des Gesichts. Kommt es in dieser kritischen Phase beispielsweise zu einer Infektion oder bestimmten Mangelerscheinungen, kann dies zum Wachstumsstopp des Auges führen. Auch genetische Veränderungen können Ursache für einen Anophthalmus sein. Etwa zwei von 100.000 Kindern kommen mit dieser Fehlbildung zur Welt.
Die Behandlung eines Kindes mit angeborenem Anophthalmus ist ein langer Prozess, der sich über viele Jahre erstreckt. Er zielt darauf ab, die Augenhöhle zu erweitern, nach und nach prothesenfähig zu machen und mit einer optimalen Augenprothese zu versorgen. Um die Gesichtssymmetrie bestmöglich anzugleichen, sollte so früh wie möglich nach der Geburt mit der Behandlung begonnen werden. Ocularistische Institute und Augenkliniken stehe hier in engem Austausch.
Um das Wachstum der Augenhöhle anzuregen, werden in der Regel zunächst kleine Platzhalter, sogenannte Conformer, eingesetzt. Dabei handelt es sich um klare oder weiße Objekte aus Kunststoff oder Glas, die dazu dienen, das umgebende Gewebe sanft zu dehnen. Conformer werden individuell angepasst und können ganz unterschiedliche Formen haben – von einer dünnen Schale bis hin zu kugel-, trichter- oder pilzförmigen Modellen ist alles möglich. In kurzen Abständen von einigen Wochen werden diese Conformer durch größere Modelle ersetzt, um das Wachstum der Augenhöhle zu fördern. Wichtig ist dabei, dass das Gewebe nicht durch übermäßigen Druck oder Spannung künstlich gedehnt, sondern auf natürliche Weise angeregt wird, zu wachsen.
Sobald die Augenhöhle ausreichend entwickelt ist, kann mit der Anpassung von Augenprothesen begonnen werden. Auch diese Prothesen sollten in möglichst kurzen Abständen vergrößert oder erneuert werden. Im Kleinkindalter sind mehrere Anpassungen pro Jahr notwendig, um das Wachstum optimal zu begleiten. Mit zunehmendem Alter wächst das Gesicht des Kindes allmählich langsamer, sodass die Augenprothese seltener neu angepasst werden muss.
Die ocularistische Behandlung bei angeborenem Anophthalmus ist eine lange Reise, die Geduld, Vertrauen und Einfühlsamkeit erfordert. Wenn Ihr Kind mit einem kongenitalen Anophthalmus geboren wurde, stehen Ihnen die Deutsche Ocularistische Gesellschaft (DOGB) und ihre Partnerinstitute mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Ihr Kind die bestmögliche Versorgung erhält und Schritt für Schritt in einen normalen Alltag hineinwachsen kann.